Living in a winter wonderland
Knappe zwei Monate ist der Shanghai-Trip und der letzte Blogeintrag schon her, es ist fast Dezember – und das merkt man auch hier, in einer Stadt, die noch südlicher als Rom liegt. Merkt man leider nichts von, es ist sackkalt, ich befürchte, dass innerhalb der nächsten 14 Tage die sexy lange Unterhose für den Weg zur Arbeit rausgeholt werden muss. Aber man will ja nicht krank werden, um die legendären Wochenenden hier nicht zu verpassen. Denn wenn man es nicht gerade darauf anlegt – und welcher normale Mensch tut das schon? – kommt man auch fernab der heimischen Kneipen nicht drum herum, nette und lustige Leute kennenzulernen, die zum Trinken animieren oder animiert werden wollen. Der Punkt, dass die nächste Kneipe (ja, ich spreche von dir, First Floor) keine 5 Gehminuten weg ist und auch der legendäre Mojitomann in der Nähe ist, macht die Sache auch nicht schlechter. So einen Mojitomann wünsche ich mir auch in Göttingen. 15 Kuai für einen Mojito, bei dem der erste Schluck zwar das Gesicht in Donatella-Versace-artige Gefilde bringt, aber dennoch schmeckt und herrlich betrunken macht. Dennoch möchte ich ungern wissen, was das für ein alkoholähnliches Gesöff ist, was zusätzlich zu dem zuckerhaltigen Spriteverschnitt da bei gemischt wird. So lange man noch was sieht, kann es nicht so schlimm sein. Langzeitfolgen zeichnen sich schließlich dadurch aus, dass man sie erst später merkt. Die vergangenen Wochenenden waren somit durchaus nicht anders als in Göttingen – abgesehen vom nicht-Bundesliga gucken, das kann man hier auch mit Onlinestreams leider getrost vergessen. Aber das 90elf.de Radio hat ja auch seinen Charme. Und auch hier in Peking kommt man in den Genuss von „Ferien in Algerien“ in der langen Version – herzlichen Dank an dieser Stelle noch mal an Max. Damit konnte man jetzt auch nicht zwingend rechnen – ein Stück Heimat (Grüße an Jonas und Nane
).
Doch auch neben den zahlreichen Kneipen, Clubs und AHK-Stammtischen und – leider nicht vermeidbarer – Arbeit gab es auch noch genug Zeit, die anderen Seiten Chinas zu erkunden. So unter anderem den Sommerpalast, der dekadenterweise von Kaiser Annodunnemals hochgezogen wurde, um mit seiner Entourage in den Sommermonaten nicht in dieser kleinen verbotenen Stadt regieren zu müssen.
Beeindruckend und definitiv viel zu groß, besonderes wenn man am Tag zuvor schon einige Kilometer zu Fuß abgerissen hat, unter anderem den Drum- und den Belltower und den Kohlehügel – mit beeindruckendem Blick über die Stadt, ich wage zu behaupten, dass nicht viele Besucher Beijings jemals so einen klaren Himmel hier gesehen haben.Daneben ist zum Vergleich einmal der Weg zur Arbeit von Freitag vor 2 Wochen dokumentiert. Zugegebenermaßen war es auch ein bisschen nebelig, aber die Sichtweise in meiner Straße war definitiv unter 50 Meter. Gott sei Dank ist der Smog nur selten so krass, es gibt tatsächlich Tage, wo die Air-Quality-Skala unter 100 fällt. Ich würde gerne mal wissen, wie der Vergleichswert so in Deutschland ist. Geschätzt würde ich behaupten, dass die Skale in Deutschland so bis ca. 50 geht – und nie erreicht wird.
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Ein Wert von über 300 ist übrigens als „hazardous“ gekennzeichnet – es gab schon Tage mit Werten oberhalb der 450. Da kommt wahre Freude auf, wobei man den Smog – zumindest als Raucher – so nicht bemerkt, man sieht ihn nur. Aber das reicht eigentlich ja auch schon. Neben besagtem Sightseeing Wochenende stand ein weiterer Trip zur Mauer an, dieses Mal aber ein anderes Stück als beim Mal zuvor, welches wunderbar restauriert wurde. Dieses Mal hatte man mit einigen Aufstiegen – das Wort Treppe verbietet sich, da es einfach keine war – schon mehr zu kämpfen.
Auch wenn, wie oben bereits beschrieben, das Werder-gucken (teils ja auch zum Glück) flach fällt, lässt man es als eingefleischter Fußballfan natürlich nicht außer Acht, wenn der heimische Verein in einem Ligaspiel gegen den frischgebackenen Meister aus Guangzhou mit BVB-Printe Lucas Barrios in 15 Minuten Entfernung spielt. Dazu sei gesagt, dass es in China im Stadion nicht einen Tropfen Alkohol zu kaufen gibt. Nichts. Nicht mal sauren Regen. Scheinbar scheint Alkohol hier mit Fußball überhaupt keine Verbindung zu haben – was zur Folge hatte, dass unser 14-Uhr-Bierchen in der Kneipe in Beijing Guoan Fanmontur (Trikot und Schal für insgesamt 8€, Tickets knapp 20€) von den Bedienungen komisch beäugt wurde. Trotz nummerierter Sitzplätze war es im Stadion dann zum Glück egal, auf welchen der freien Plätze man sich setzt – zu unserem Glück, da es über die gesamte Spieldauer wie aus Kübeln schüttete – was die, ich nenne sie jetzt einfach mal so, verzeiht mir, Ultràs in der Hintertorkurve dennoch nicht davon abhielt, oberkörperfrei 90 Minuten die Heimmannschaft zu supporten.
Immerhin geht den Leuten hier das Pöbeln nicht ab – bei so ziemlich jeder Gelegenheit wurde entweder laut ÜÜÜÜÜÜ gebrüllt (das chinesische Pendant zu Buuuh – nur viel lustiger) oder Schabi (zumindest hört es sich so an, die Schreibweise ist sicherlich eine andere) zu brüllen, die Übersetzung spare ich mir jetzt lieber Mal. Hat sich auf jeden Fall gelohnt, auch wenn das Spielniveau eher im Mittelfeld der dritten Liga anzusiedeln ist – trotz der Tatsache, dass Beijing immerhin 3. der Tabelle war. Barrios hat übrigens nicht gespielt, sicherlich zur Enttäuschung der ca. 10 Gästefans – der Bereich war, wie 60% des Stadions, nicht überdacht.
Doch nicht nur Fußball gucken ist möglich, auch Fußball spielen. Zu Preisen, wie in Deutschland: 2 Stunden in einer Halle für 800 Kuai, also etwa 100€ – und das am Arsch der Welt, knappe 30 Minuten mit dem Taxi entfernt. Spaß hat es dennoch gemacht und wird sicher noch Mal stattfinden.
Das vergangene Wochenende stand dann einmal mehr im Zeichen „wie sieht China eigentlich aus?“. Mit Philipp, einem anderen deutschen Praktikanten, und seinem finnischen Arbeitskollegen Mika aka Pandaman ging es nach Xi’an, knappe 2 Flugstunden westlich gelegen. Dort angekommen bezogen wir zuerst das Hostel, tranken die ersten Biere und begaben uns dann auf die Suche nach einem Restaurant, in dem wir zum, sehr leckeren, chinesischen Essen zudem eine Flasche Baiju verzehrten. Immerhin, Philipps Erkältung war am nächsten Morgen weg – trotz weiterer lustiger Stunden in der Hostel-eigenen Bar. Ein wenig angeschlagen ging es dann eine gute dreiviertel Stunde mit dem Taxi zu einem der Must-See-Attraktionen in China – der Terrakottaarmee. Warum es ein Must-See ist, ist mir jetzt nicht so klargeworden, aber hey – wir waren da. Und es ist schon verrückt, so eine Maße an nutzlosen Figuren zu sehen mit weiteren, noch nicht ausgebuddelten Exemplaren daneben, die die Anzahl der Vorhandenen noch einmal weit übersteigt.
Den Abend verbrachten wir mit einem Fußmarsch durch das muslimische Viertel, welches Abends wirklich beeindruckend war. Hunderte von Leuten, schmale Gassen, an denen es etliche Sachen zu essen gab und die üblichen originalen T-Shirts, Kopfhörer, die man hier überall kaufen kann. Und natürlich die sturköpfigen Moppedfahrer, die bei einer 3 Meter breiten Straße wirklich glauben, dass alle Platz machen, wenn man nur lange genug hupt. Kann mal jemand bitte herausfinden, was passiert, wenn man diejenigen Nervbolzen einfach vom Roller schubst? Brauche ich dringend für den nächsten, noch ungeplanten, Trip! An und für sich bin ich aber sehr glücklich, dass ich nicht in Xi’an leben muss – schön sieht anders aus. Einzig und allein die komplett erhaltene Stadtmauer war beeindruckend und wurde sogleich mit dem Fahrrad erkundet – dabei konnte man dann leider aber auch links und rechts herunter schauen, und teilweise war das dann doch nicht so schön. Leider war ich so klug, meine Digicam nicht aufzuladen, so dass ich da auf Philipp angewiesen bin, um Fotos davon zu haben – die reiche ich dann nach – typisch China auf jeden Fall.
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Damit ist es dann auch erst einmal wieder getan, ich hoffe, ihr trinkt auf den Weihnachtsmärkten der Nation den einen anderen Glühwein, Glühwein mit Schuss oder einfach nur Schuss für mich mit – denn so etwas gibt es hier leider nicht. Die Ausnahme ist der kommende Samstag, dort gibt es in der deutschen Botschaft einen Weihnachtsmarkt – allerdings nur von 10-17 Uhr und sehr, sehr voll mit ewiger Wartezeit. Ich hoffe, dass ich dennoch den ein oder anderen Glühwein dort verhaften kann. Zài jiàn, Bitches!































