Sebastian

life in beijing

Living in a winter wonderland

Knappe zwei Monate ist der Shanghai-Trip und der letzte Blogeintrag schon her, es ist fast Dezember – und das merkt man auch hier, in einer Stadt, die noch südlicher als Rom liegt. Merkt man leider nichts von, es ist sackkalt, ich befürchte, dass innerhalb der nächsten 14 Tage die sexy lange Unterhose für den Weg zur Arbeit rausgeholt werden muss. Aber man will ja nicht krank werden, um die legendären Wochenenden hier nicht zu verpassen. Denn wenn man es nicht gerade darauf anlegt – und welcher normale Mensch tut das schon? – kommt man auch fernab der heimischen Kneipen nicht drum herum, nette und lustige Leute kennenzulernen, die zum Trinken animieren oder animiert werden wollen. Der Punkt, dass die nächste Kneipe (ja, ich spreche von dir, First Floor) keine 5 Gehminuten weg ist und auch der legendäre Mojitomann in der Nähe ist, macht die Sache auch nicht schlechter. So einen Mojitomann wünsche ich mir auch in Göttingen. 15 Kuai für einen Mojito, bei dem der erste Schluck zwar das Gesicht in Donatella-Versace-artige Gefilde bringt, aber dennoch schmeckt und herrlich betrunken macht. Dennoch möchte ich ungern wissen, was das für ein alkoholähnliches Gesöff ist, was zusätzlich zu dem zuckerhaltigen Spriteverschnitt da bei gemischt wird. So lange man noch was sieht, kann es nicht so schlimm sein. Langzeitfolgen zeichnen sich schließlich dadurch aus, dass man sie erst später merkt.  Die vergangenen Wochenenden waren somit durchaus nicht anders als in Göttingen – abgesehen vom nicht-Bundesliga gucken, das kann man hier auch mit Onlinestreams leider getrost vergessen. Aber das 90elf.de Radio hat ja auch seinen Charme. Und auch hier in Peking kommt man in den Genuss von „Ferien in Algerien“ in der langen Version – herzlichen Dank an dieser Stelle noch mal an Max. Damit konnte man jetzt auch nicht zwingend rechnen – ein Stück Heimat (Grüße an Jonas und Nane ;) ).

Doch auch neben den zahlreichen Kneipen, Clubs und AHK-Stammtischen und – leider nicht vermeidbarer – Arbeit gab es auch noch genug Zeit, die anderen Seiten Chinas zu erkunden. So unter anderem den Sommerpalast, der dekadenterweise von Kaiser Annodunnemals hochgezogen wurde, um mit seiner Entourage in den Sommermonaten nicht in dieser kleinen verbotenen Stadt regieren zu müssen.

Sommerpalast – hinter den Bäumen gehts weiter

Beeindruckend und definitiv viel zu groß, besonderes wenn man am Tag zuvor schon einige Kilometer zu Fuß abgerissen hat, unter anderem den Drum- und den Belltower und den Kohlehügel – mit beeindruckendem Blick über die Stadt, ich wage zu behaupten, dass nicht viele Besucher Beijings jemals so einen klaren Himmel hier gesehen haben.Daneben ist zum Vergleich einmal der Weg zur Arbeit von Freitag vor 2 Wochen dokumentiert. Zugegebenermaßen war es auch ein bisschen nebelig, aber die Sichtweise in meiner Straße war definitiv unter 50 Meter. Gott sei Dank ist der Smog nur selten so krass, es gibt tatsächlich Tage, wo die Air-Quality-Skala unter 100 fällt. Ich würde gerne mal wissen, wie der Vergleichswert so in Deutschland ist. Geschätzt würde ich behaupten, dass die Skale in Deutschland so bis ca. 50 geht – und nie erreicht wird.

Ein Wert von über 300 ist übrigens als „hazardous“ gekennzeichnet – es gab schon Tage mit Werten oberhalb der 450. Da kommt wahre Freude auf, wobei man den Smog – zumindest als Raucher – so nicht bemerkt, man sieht ihn nur. Aber das reicht eigentlich ja auch schon. Neben besagtem Sightseeing Wochenende stand ein weiterer Trip zur Mauer an, dieses Mal aber ein anderes Stück als beim Mal zuvor, welches wunderbar restauriert wurde. Dieses Mal hatte man mit einigen Aufstiegen – das Wort Treppe verbietet sich, da es einfach keine war – schon mehr zu kämpfen.

Auch wenn, wie oben bereits beschrieben, das Werder-gucken (teils ja auch zum Glück) flach fällt, lässt man es als eingefleischter Fußballfan natürlich nicht außer Acht, wenn der heimische Verein in einem Ligaspiel gegen den frischgebackenen Meister aus Guangzhou mit BVB-Printe Lucas Barrios in 15 Minuten Entfernung spielt. Dazu sei gesagt, dass es in China im Stadion nicht einen Tropfen Alkohol zu kaufen gibt. Nichts. Nicht mal sauren Regen. Scheinbar scheint Alkohol hier mit Fußball überhaupt keine Verbindung zu haben – was zur Folge hatte, dass unser 14-Uhr-Bierchen in der Kneipe in Beijing Guoan Fanmontur (Trikot und Schal für insgesamt 8€, Tickets knapp 20€) von den Bedienungen komisch beäugt wurde. Trotz nummerierter Sitzplätze war es im Stadion dann zum Glück egal, auf welchen der freien Plätze man sich setzt – zu unserem Glück, da es über die gesamte Spieldauer wie aus  Kübeln schüttete – was die, ich nenne sie jetzt einfach mal so, verzeiht mir, Ultràs in der Hintertorkurve dennoch nicht davon abhielt, oberkörperfrei 90 Minuten die Heimmannschaft zu supporten.

Zum Ende hin wurden es mehr

Immerhin geht den Leuten hier das Pöbeln nicht ab – bei so ziemlich jeder Gelegenheit wurde entweder laut ÜÜÜÜÜÜ gebrüllt (das chinesische Pendant zu Buuuh – nur viel lustiger) oder Schabi (zumindest hört es sich so an, die Schreibweise ist sicherlich eine andere) zu brüllen, die Übersetzung spare ich mir jetzt lieber Mal. Hat sich auf jeden Fall gelohnt, auch wenn das Spielniveau eher im Mittelfeld der dritten Liga anzusiedeln ist – trotz der Tatsache, dass Beijing immerhin 3. der Tabelle war. Barrios hat übrigens nicht gespielt, sicherlich zur Enttäuschung der ca. 10 Gästefans – der Bereich war, wie 60% des Stadions, nicht überdacht.

Stadioncrew

Doch nicht nur Fußball gucken ist möglich, auch Fußball spielen. Zu Preisen, wie in Deutschland: 2 Stunden in einer Halle für 800 Kuai, also etwa 100€ – und das am Arsch der Welt, knappe 30 Minuten mit dem Taxi entfernt. Spaß hat es dennoch gemacht und wird sicher noch Mal stattfinden.

Team Stolpergefahr

Das vergangene Wochenende stand dann einmal mehr im Zeichen „wie sieht China eigentlich aus?“. Mit Philipp, einem anderen deutschen Praktikanten, und seinem finnischen Arbeitskollegen Mika aka Pandaman ging es nach Xi’an, knappe 2 Flugstunden westlich gelegen. Dort angekommen bezogen wir zuerst das Hostel, tranken die ersten Biere und begaben uns dann auf die Suche nach einem Restaurant, in dem wir zum, sehr leckeren, chinesischen Essen zudem eine Flasche Baiju verzehrten. Immerhin, Philipps Erkältung war am nächsten Morgen weg – trotz weiterer lustiger Stunden in der Hostel-eigenen Bar. Ein wenig angeschlagen ging es dann eine gute dreiviertel Stunde mit dem Taxi zu einem der Must-See-Attraktionen in China – der Terrakottaarmee. Warum es ein Must-See ist, ist mir jetzt nicht so klargeworden, aber hey – wir waren da. Und es ist schon verrückt, so eine Maße an nutzlosen Figuren zu sehen mit weiteren, noch nicht ausgebuddelten Exemplaren daneben, die die Anzahl der Vorhandenen noch einmal weit übersteigt.

I’m a warrior

Den Abend verbrachten wir mit einem Fußmarsch durch das muslimische Viertel, welches Abends wirklich beeindruckend war. Hunderte von Leuten, schmale Gassen, an denen es etliche Sachen zu essen gab und die üblichen originalen T-Shirts, Kopfhörer, die man hier überall kaufen kann. Und natürlich die sturköpfigen Moppedfahrer, die bei einer 3 Meter breiten Straße wirklich glauben, dass alle Platz machen, wenn man nur lange genug hupt. Kann mal jemand bitte herausfinden, was passiert, wenn man diejenigen Nervbolzen einfach vom Roller schubst? Brauche ich dringend für den nächsten, noch ungeplanten, Trip! An und für sich bin ich aber sehr glücklich, dass ich nicht in Xi’an leben muss – schön sieht anders aus. Einzig und allein die komplett erhaltene Stadtmauer war beeindruckend und wurde sogleich mit dem Fahrrad erkundet – dabei konnte man dann leider aber auch links und rechts herunter schauen, und teilweise war das dann doch nicht so schön. Leider war ich so klug, meine Digicam nicht aufzuladen, so dass ich da auf Philipp angewiesen bin, um Fotos davon zu haben – die reiche ich dann nach – typisch China auf jeden Fall.

Damit ist es dann auch erst einmal wieder getan, ich hoffe, ihr trinkt auf den Weihnachtsmärkten der Nation den einen anderen Glühwein, Glühwein mit Schuss oder einfach nur Schuss für mich mit – denn so etwas gibt es hier leider nicht. Die Ausnahme ist der kommende Samstag, dort gibt es in der deutschen Botschaft einen Weihnachtsmarkt – allerdings nur von 10-17 Uhr und sehr, sehr voll mit ewiger Wartezeit. Ich hoffe, dass ich dennoch den ein oder anderen Glühwein dort verhaften kann. Zài jiàn, Bitches!

Massage? Ladybar?

Ne Weile ist der letzte Eintrag jetzt schon her, eigentlich aber auch nur dem geschuldet, dass man nach der Arbeit, ob nun viel zu tun oder nicht sei mal dahin gestellt, dann abends meistens doch nicht soviel unternommen. Dafür gab es aber ein Sightseeing der etwas anderen Art, als Mitte September so langsam der sinnvolle Streit über die Senkaku-Inseln weiter ausbrach. Da am 18. September sich zudem der Tag des Mukden-Zwischenfalls jährte, wurde vom 3. Ring ab die Straße (immerhin 4-spurig) komplett gesperrt – auch ich mit dem Fahrrad kam nur noch teilweise durch und musste einige Umwege in Kauf nehmen.  Ein glatter Vorteil also, dass sich die japanische Botschaft quasi einen Steinwurf (höhö) von meiner Arbeit entfernt befindet. Denn nicht, dass die Straßensperren ausreichen, nein, in den Nebenstraßen standen dutzende Busse voll mit Soldaten, mehrere Wasserwerfer und Transporter, die Absperrzäune gebracht hatten. Die Soldaten hielten es aber größtenteils typisch chinesisch und saßen auf ihren Klappstühlen im Schatten.

Buffalo Soldiers, stehend, nicht im Schatten

Auch die Demonstrationen waren friedlich, allerdings hat es dann schon ziemlich genervt, über 1,5 Wochen jeden Tag die selben unverständlichen Schlachtrufe zu hören. Allerdings ist es bei einem Land wie China doch sehr schwer zu glauben, dass die Demonstranten aus „freien Stücken“ – auch wenn die Abneigung Japan gegenüber schon sehr groß ist -, besonders in der großen Masse, hier aufmarschiert sind. Gerade die Spruchbänder sahen sich sehr gleich, ein Schelm, wer da irgendetwas vermutet.

Plakate, Plakate, Plakate

Immerhin wurde ich als Ausländer auch gleich mit eingebunden, als mir ein Demonstrant freudestrahlend seine Chinafahne in die Hand gedrückt hat, als wir uns das Ganze in der Mittagspause mal aus der Nähe angeschaut haben. Die Demonstranten sind jetzt zwar seit knapp 2 Wochen bereits weg, die Absperrungen stehen allerdings immer noch auf der Straße, was zumindest auf dem Weg zum Mittagessen sehr nervig ist. Zudem sieht man noch bei vielen Autos von japanischen Herstellern, dass das Markenlogo, bspw. Honda, mit einer chinesischen Flagge überklebt ist – teilweise auch zusätzlich daneben mit Schriftzeichen – um sich davor zu bewahren, dass man von intelligenten Leuten angegriffen wird, wie es wohl im Süden Chinas teilweise passiert ist. Auch japanische Restaurants und Supermärkte hatten während der Proteste 2 – 3 Tage geschlossen, davon, dass hier in Beijing etwas passiert ist, habe ich allerdings nichts mitbekommen.

Typischer Chinese

Neben dem Himmelstempel war ich dann nun auch zum ersten Mal an der chinesischen Mauer, genauer in Mutianyu, etwa 90 Minuten nördlich von Beijing, muss man auch mal gesehen haben!

Die Mauer

Perfekt abgestimmt

In der vergangenen Woche war dann die Golden Week – eine Art Nationalfeiertag. Bei diesen ist der Chinese – wie soll es auch anders sein – ein bisschen eigen. Anstatt einen Tag frei zu geben pro Feiertag, wie es in Deutschland ja der Fall ist, bekommt man hier pro Feiertag drei Tage frei. Damit es sich also lohnt, hat man in der Golden Week – weil es ja eigentlich auch zwei Feiertage sind, 6 Tage frei, wozu dann aber auch wieder das Wochenende zählt. Zusätzlich mussten wir am Samstag davor auch zur Arbeit erscheinen, zumindestens Präsenz zeigen hat schon mal geklappt. Summasumarum bei der verqueren Feiertagsregel: 5 Werktage frei. Da der Zeitpunkt der Golden Week bereits länger feststand, und wir (mein Praktikantenkollege und ich) das auch wussten, hatten wir bereits Anfang September geplant, während der Golden Week nach Shanghai zu fahren. Da die Inlandsflüge allerdings während der Golden Week aufgrund des erhöhten Reiseaufkommens – alle Stadtchinesen fahren zu ihren Familien aufs Land und die Landchinesen fahren in die Städte zum Sightseeing – sehr teuer, so dass wir uns dazu entschieden hatten, mit dem Zug zu fahren. Aber auch das gestaltet sich in China nicht so einfach. Zwar gibt es hier hochmoderne Züge und Bahnhöfe, die größer als Flughäfen in Deutschland sind, und vom Abfertigungssystem auch genauso funktionieren, aber als Ausländer ist es nicht ohne weiteres möglich, Tickets zu bekommen, ohne zum Bahnhof zu fahren. Außerdem gibt es die Tickets erst 12 Tage vor dem Reisedatum, und das dann für 2 Tage auch nur online – am Schalter also erst 10 Tage vorher. Zum Glück konnten wir unsere chinesischen Kollegen davon überzeugen, uns doch zu helfen – was dann auch geklappt hat, wenn auch nicht ganz zu den gewünschten Reisezeiten – anstatt am Sonntag um 9 loszufahren, starteten wir erst um 17 Uhr und kamen nach 5 Stunden angenehmer Zugfahrt dann in Shanghai an. 5 Stunden für eine Strecke von 1300 km, ein Hoch auf den Metronom, der von Göttingen nach Hamburg 4 Stunden benötigt. Knapp 30 Minuten dauerte dann noch die Ubahnfahrt vom Bahnhof zum People Square und nach 10 Minuten Fußweg hatten wir dann das Hostel gefunden. Sowohl mit dem Auge, als auch mit der Nase. Denn aus der Nebenstraße roch es die ganze Woche erbärmlich – glücklicherweise nicht im Hostel. Dafür wurde einem dort wieder einmal aufgezeigt, dass Chinesen doch etwas kleiner als der gemeine Deutsche sind. Das Duschen hat dennoch ganz gut geklappt, glaube ich.

Da das Hostel nur knappe 10 Minuten Fußweg vom Bund entfernt liegt, entschlossen wir uns nach der kurzen Zimmerinspektion dazu, diesem doch einen ersten Besuch abzustatten – ausserdem waren wir hungrig und waren der festen Überzeugung, in einer Millionenstadt doch noch etwas eßbares zu finden – auch wenn die Rezeptionisten auf Nachfrage eher ungläubig geschaut hat, als wir wissen wollten, wo man denn jetzt noch essen könnte. Am Bund angekommen – auf dem Weg lag natürlich kein einziges geöffnetes Restaurant – konnten wir dann zumindest den ersten Blick auf die Skyline Shanghais werfen. Um kurz nach 11 allerdings nicht so imposant wie einige Tage später abends, da einfach nichts mehr los war und der Großteil der Beleuchtungen an den Hochhäusern schon wieder ausgestellt war. Also ab in Richtung Nanjing Road – eine der weltgrößten Einkaufsstraßen. Dort reihen sich Pizza Huts, KFCs und McDonalds über Kilometer aneinander. Bringt nur leider nichts, wenn die Abends um halb 12 schon zu haben. Da ist es in Beijing doch deutlich einfacher, nicht zu verhungern. Immerhin haben wir auf der Nanjing Road knappe 25 hilfsbereite Männer und Damen getroffen, die sehr um unser Wohlbefinden besorgt waren, und uns in einer Tour Massagen und Lady Dance versprachen. Juhu! „Massageladybarsex?“

Waibaidu-Brücke

Schlussendlich haben wir um die Ecke vom Hostel dann noch einen geöffneten Supermarkt gefunden, wo es dann ein nahrhaftes Abendbrot, bestehend aus Bier und Chips, gab. Lecker war es trotzdem.

Am nächsten Morgen verschlug es uns dann wieder zur Nanjing Road. Und, siehe da, die „Massageladybarsex?“-Menschen sind wandelbar. Jetzt wollten sie uns Uhren verkaufen. Freundlich, diese Chinesen.

Exkurs 1: Chinesen. Es wundert mich, wie dieses Volk es geschafft hat, so einen wirtschaftlichen Aufschwung hinzulegen. Egal wo man ist, sieht man schlafende Chinesen (vom Büro mal abgesehen). Überall. Auch beim Laufen durch die Stadt hat man mehr damit zu tun, sich auftuende Lücken zu erkennen, mithilfe derer man dann den plätschernden Fluß an schleichenden Chinesen überholen kann. In dem Tempo würde kein Mensch es schaffen, bergauf zu gehen, soviel ist schon mal sicher. Besonders viel Spaß macht es, wenn die Menschen einfach ohne Vorwarnung stehen bleiben oder sich zielsicher so bewegen, dass sie einem vor die Nase laufen. Wahrscheinlich ist das der Grund für den wirtschaftlichen Erfolg, die Chinesen blockieren die Zulieferwege durch ihre Langsamkeit und sorgen so dafür, dass nichts ankommt und der Rest dazu gezwungen ist, ihre Produkte zu kaufen. So oder ähnlich muss das einfach funktionieren.

Nach dem wir uns über die Nanjing Road gekämpft hatten, fuhren wir mit der Ubahn nach Pudong – dem Finanzviertel Shanghais. Dort angekommen (zielsicher natürlich 2 Stationen zu weit gefahren), begaben wir uns zum Shanghai World Financial Tower – oder auch Flaschenöffner – um zur Aussichtsplattform im 100. Stockwerk zu fahren. Für 150 Yuan zwar nicht geschenkt, aber den Ausblick ist es allemal wert. Dort haben wir noch Stefan kennengelernt, mit dem wir den Rest der Woche die Stadt erkundet haben. Abends waren wir dann wieder am Bund, um uns dieses Mal die Skyline beleuchtet anzuschauen. Allerdings gestaltete sich das vernünftige Fotografieren ohne Stativ ein bisschen schwierig – glücklicherweise gibt es ja auch in Shanghai MediaMarkt, wo man sich dann ein Stativ von Hama kaufen kann… ;)

Für einen Teil der Chinesen waren wir aber irgendwie interessanter, als der Blick auf die Skyline. Ich weiß nicht, wieviele Fotos von uns über den Verlauf der Woche gemacht wurden, geschätzte 40 Mal wurden wir gefragt, die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen – lustig war es aber irgendwie trotzdem. In den weiteren Tagen waren wir noch beim Expo Gelände, von dem der Großteil zwei Jahre später natürlich nicht mehr steht – mit Ausnahme des (übertrieben hässlichen) China-Gebäudes, was jetzt als Kunstmuseum genutzt wird und der UFO-mäßigen Mercedes-Benz Arena, in der sich eigentlich (laut relativ aktuellen Internetquellen!) ein NBA Store befinden soll. Pustekuchen, hat natürlich dicht. Dafür wurde auf einem Wegweiser der Kaffeedienstleister „Starbarcks“ angepriesen. Schmeckt sicher auch gut. Trotz der zu erwartenden Volksmaßen statteten wir natürlich dem Yu Garten einen Besuch ab, der sich mitten in der Stadt befindet und in der Mingdynastie erbaut wurde, war schon schön und sollte man gesehen haben, wenn man denn mal den Weg nach Shanghai findet. Ebenso der Jadebuddha-Tempel und das Camel – spitzen Sportsbar, in der wir dann doch das eine oder andere Bier getrunken haben.

Das beste Bier hatten wir dann aber wieder am Bund, genauer in der Roosevelt Rooftop Lounge. Jetzt ausgerüstet mit Stativ, wollte ich die Skyline noch ein weiteres Mal auf die Speicherkarte bannen, so dass wir uns auf die Suche nach einer Rooftopbar machten. Nachdem das Rooseveltgebäude uns gefunden hatte – von außen hat nichts darauf hingewiesen und nachdem uns die beiden Herrschaften vor der Tür, direkt neben einem Rolexladen, eine Art Flyer von der Bar in die Hand gedrückt hatten – machten wir uns in der festen Annahme, die Bar mit einem Blick auf die Bierpreise sofort wieder lachend zu verlassen, auf in den 9. Stock. Zwar hat das 0,33er Bier immer noch 50 Yuan gekostet, allerdings war das angesichts des Ausblickes verschmerzbar und lohnenswert.

Reisegruppe Trinkgut

Skyline aus der Lounge

Alles in allem ein lohnender, wenn auch teurer Trip, wenngleich es mir in Beijing deutlich besser gefällt, da es trotz des total bescheuerten Verkehrs deutlich ruhiger ist. Das kann natürlich aber auch an der Golden Week gelegen haben. Auch die Luft in Shanghai war deutlich besser, zum Vergleich mal ein Foto von gestern abend – Normalzustand Beijing. Immerhin hat es heute nacht geregnet, so dass erst mal wieder blauer Himmel ist.

Blick aus dem Büro

Koan Urlaub

Jetzt sind die ersten 6 Tage in Beijing schon vorbei – ging schon ziemlich schnell rum die Zeit. Das einzige was mich daran aber bisher wundert ist, warum ich bisher weder nen Verkehrstoten bzw. nicht mal nen einfachen Auffahrunfall mitbekommen habe. Aber kann wegen mir auch gerne so bleiben ;) . Seit dem letzten Mal habe ich nun schon ein bisschen mehr von der Stadt gesehen, u.a. den Konfuziustempel, Temple of Earth (der deutsche Name Erdaltar hört sich einfach mal mega beschissen an), das Olympiagelände und die Verbotene Stadt. Ein paar Kilometer habe ich somit also schon in meinen Beinen, ganz daran gewöhnt hab ich mich nach dem ständigen Radfahren in Göttingen noch nicht. Zwar habe ich hier ein Rad, allerdings sehe ich – es müsste ein 24″ Rad sein – darauf eher aus wie E.T. Aber in meiner Größe passt das hier mit dem Außerirdischen schon ganz gut. In der U-Bahn kann man problemlos über alle hinweg gucken und heute in der Verbotenen Stadt wollte der erste Chinese ein Foto mit mir – finally. Wahrscheinlich noch nie so einen hässlichen Menschen gesehen, wer kann es ihm verübeln. Oder er war auch Werderfan, immerhin: Derbysieger!

Im Konfuziustempel

Das U-Bahn fahren ist eh perfekt, eine Fahrt kostet 2 Kwai, umgerechnet 25 Cent. Dabei ist es auch egal, wie weit man fährt, prinzipiell könnte man 12 Stunden im Kreis fahren – der Sinn davon ist mal dahingestellt. Allerdings bin ich zum Glück nicht während der Rushhour gefahren, daher war es relativ angenehm. Wenn es voller ist, dürfte das ganze nicht mehr soviel Spaß machen. Aber beim U-Bahn fahren wird einem auch erst die Größe der Stadt klar, vom Olympiagelände bis zum Tian’anmen-Platz hat das Ganze mit Umsteigen mehr als eine halbe Stunde gedauert, auf der Karte sah das noch relativ nah aus ;) .

Verbotene Stadt

Verbotene Stadt

Auf dem Olympiagelände selber war ich gefühlt der einzige Mensch und habe mir, natürlich, das Stadion angeguckt. Wenn ich vorher bei Wikipedia nicht gelesen hätte, dass es vom selben Architekten wie die Allianzarena gebaut wurde, hätte ich mich ein bisschen verarscht gefühlt – das Innenleben ist exakt dasselbe, auch die Treppen haben mich sehr an das Stadion in München erinnert. Natürlich sieht es von Außen ganz anders aus, aber das Innere ist mir doch sehr schnell aufgefallen. Trotzdem sieht es von Außen beeindruckend aus.

Vogelnest

Olympia

Das Einleben klappt auch immer besser, immerhin hab ich jetzt vernünftige Zigaretten für 60 Cent die Schachtel gefunden ;) Morgen gehts zum ersten Mal arbeiten, das E.T.-Businesskasperleben kann beginnen! Heute war übrigens auch der erste Tag ohne Smog. Unfassbare Szenen!

Smogfrei!

Angekommen

Mittlerweile bin ich jetzt schon ein paar Tage hier in Beijing, also Zeit, die ersten Eindrücke kurz zu rekapitulieren. Abgesehen von der Ausnahme, dass der Flug von Hannover nach Istanbul eine knappe Stunde Verspätung hatte und es auf dem Istanbuler Flughafen nur einen, ziemlich gut versteckten, Raucherbereich zu geben scheint, waren die Flüge mit Turkish Airlines auf jeden Fall weiterzuempfehlen. Insgesamt war ich auch, ohne An- und Abreise, nur 13 Stunden unterwegs, auch wenn das sicherlich schneller geht. Nach der Landung wurde ich dann von meinem Vater zur Wohnung gebracht, so dass ich da schon einen ersten Eindruck vom Talent der Chinesen beim Autofahren bekommen habe. Ein Wunder, dass ich keinen Unfall gesehen habe. Aber das liegt bestimmt daran, dass einfach alle durch die Bank weg hupen. Das kann allerdings auch ganz nützlich sein, da es scheinbar nicht alle verstehen, dass man am Auto / Mopped / Bus das Licht anmacht, sobald es dunkel ist.

Aussenansicht von der 1. Wohnung

Der Jetlag ist größtenteils ausgeblieben, ich war am Tag nach der Landung zwar ziemlich müde, aber habe dann 14 Stunden mehr oder weniger durchgeschlafen und sollte hoffentlich in einem relativ normalen Rhythmus jetzt sein. Ich hoffe, dass mein Körper sich auch an das Klima hier so schnell gewöhnt, wie an die Zeitumstellung. Denn scheinbar sind hier rund um die Uhr 30-35°C, ohne dass es sich abkühlt – zum Schwitzen braucht man sich also nicht einmal wirklich anstrengen.

Weg zum Dongzhimen-Platz

Am Dongzhimen-Platz

Am Dongzhimen-Platz

Die ersten Tage habe ich lediglich die Umgebung erkundet, unter anderem den Dongzhimen-Platz und Sanlitun, wo ab nächster Woche auch meine Wohnung liegen wird. Mal gucken, was die nächsten Tage so bringen – gleich werde ich in Richtung Konfuziustempel gehen und mir ein bisschen mehr angucken. Ansonsten kann man hier scheinbar gut leben, ein Bier kostet am Kiosk 3¥, was ungefähr 35 Cent sind und Zigaretten kosten 15¥, also knapp 1,80€. Nur an die Stockwerknummerierung muss man sich gewöhnen, es gibt keine Etage, in der eine 4 enthalten ist, da sich das chinesische Wort für 4 anhört wie “Tod” – die 13 gibt es natürlich auch nicht.

The time has come

Mittlerweile sind es nur noch knappe 15 Stunden, bis mein Flug von Hannover nach Istanbul geht. Die letzten Wochen gingen dann trotz Klausuren und Projektkrams in der Uni viel schneller herum, als man sich das im Voraus vorgestellt hat. Der Koffer ist gepackt und natürlich muss mehr zu Hause bleiben, als gedacht. Aber für sechs Monate zu packen bei einem Limit von 30 kg ist dann doch schwerer, als gedacht. Vergessen habe ich hoffentlich erst mal nichts. Gerade trinke ich mein letztes vernünftiges deutsches Bier – das chinesische soll Erfahrungsberichten nach wohl leider nicht ganz so gut sein, wie man das hier gewöhnt ist. Überleben werde ich es wohl doch, wenn auch nur knapp.

Wolters

Das letzte deutsche Bier.

In den letzten Wochen gab es immerhin genug Gründe, das eine oder andere Bier zu trinken. Für den Großteil war es immerhin das letzte Bier mit mir bis zum nächsten März oder April – und solche Gelegenheiten kann man dann natürlich nicht einfach ablehnen. Die letzten Wochen in Deutschland – so komisch, wie sich das gerade beim Schreiben auch schon wieder anfühlt, gingen zum Einen natürlich sehr schnell rum, dafür haben sie mir angesichts der ganzen bescheuerten lehrreichen Gespräche mit meinen Freunden sehr viel Spaß gemacht. Danke dafür an dieser Stelle noch mal!

Jetzt noch einmal im eigenen Bett schlafen, dann werden die restlichen Sachen in den eh schon zu vollen Koffer gepackt und dann geht es schon zum Flughafen. Eigentlich ziemlich unfair, dass mein letzter Fußtritt in Deutschland ausgerechnet in Hannover sein muss. Man kann wohl nicht alles haben.

Vorbereitungen

Von Ulrich inspiriert und durch das Glück, einen Praktikumsplatz bekommen zu haben, wird hier jetzt wieder gebloggt! Aber warum? Wie bereits bei facebook geposted, geht es für mich ab Ende August für etwas mehr als sechs Monate nach Peking.

Screenshot facebook

Unerwartet daher, da ich mit dem Thema “Praktikum im Ausland” eigentlich schon abgeschlossen hatte, nachdem ich mich bei einer großen deutschen Firma, ebenfalls in Peking, beworben hatte und dort mangels Stellen im September leider eine Absage bekommen hatte. Unerwartet aber auch, da ich mich gerade einmal 24 Stunden vor der Zusage bei der Firma beworben hatte, so dass mir die Überraschung beim Erhalt der e-Mail ziemlich ins Gesicht geschrieben war. Wobei das eher ein Grinsen als nur Überraschung war. Nachdem der erste, mehr oder weniger Uni-bedingte, Stress erledigt ist, geht es nun an die Vorbereitungen. Den Flug habe ich bereits gebucht, allerdings fehlt noch das Visum, die Krankenversicherung und so weiter, und so fort. Ein Erneuern von diversen Impfungen ist wahrscheinlich auch nicht die schlechteste Idee, ein bisschen Arbeit ist da also noch vor mir, bevor es dann endlich losgehen kann.

Die Hauptsache ist aber erstmal die Anreise – und die ist seit Sonntag auch, bis auf das Visum, in trockenen Tüchern. Los geht es am 27.8. um 18:00 Uhr in Hannover, wo mich voraussichtlich eine Boeing 737-800 von Turkish Airlines erwarten wird. Knappe drei Stunden später lande ich dann in Istanbul, aufgrund der Zeitverschiebung ist es dann jedoch bereits kurz nach 22 Uhr, so dass ich nur zwei Stunden auf den Weiterflug nach Peking warten muss. Um 14 Uhr Ortszeit werde ich dann in Peking landen – das müssten dann also knappe 9 Stunden reine Flugzeit sein. Bin ja mal gespannt, ob a) meine mathematischen Kenntnisse mich jetzt nicht in die Irre führen und b) ob Turkish Airlines berechtigterweise zur besten Fluggesellschaft Europas gewählt wurde.

Hier wird es jetzt in unregelmäßigen Abständen Updates geben, ich hoffe, dass ich in Peking genug Zeit & Fotos sammeln werde, die ich hier dann häufiger zur Schau stellen kann. Ein bisschen Zeit ist ja noch!

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